
Möbiliert & jubiliert
Wer über einen längeren Zeitraum Wohnungsanzeigen studiert, stolpert früher oder später über die Wortkreation ‚möbiliert‘ (statt möbliert). Ich greife sie hier gerne auf, weil darin für mich ein ‚jubiliert‘ und damit, passend zur Jahreszeit, Weihnachten anklingt. Nun werden gerade auf dem Feld der Kleinanzeigen die Anzeigentexte selbst, wie auch eine sich möglicherweise anschließende Kommunikation, zuweilen nicht von Sprachnerds wie mir verfasst. Wenn man genau hinschaut, kann man darin interessante Wortschöpfungen entdecken.
Französische Lehnwörter — chic, aber tückisch
Vom Exposé bis zur Maisonette: Die Sprache in der Immobilienwelt ist von französischen Lehnwörtern durchzogen. Eine Wohnung, ein ‚Apartment‘ oder ‚Logement‘ gibt es, schlimmstenfalls, im ‚Souterrain‘. Fälschlich ab und an als Souterain oder Sutterain angepriesen — da klingt auch das Rheinische gleich viel besser mit…😉 Aussichtsreicher wird die Lage im ‚Parterre‘ (öfter falsch auf Paterre reduziert) oder in einer ‚Etage‘, am liebsten in der ‚Bel Etage‘ (fehlerhaft anzutreffen als Belle Etage), manchmal mit einer ‚Terrasse‘ (häufig eingedampft auf Terasse) oder einem sogenannten ‚französischen Balkon‘ versehen, der zwar chic klingt, aber leider nur eine Absturzsicherung für bodentiefe Fenster oder bestenfalls ein Austritt ist.
Möbiliert, möbliert, meublé
Auch das Wort möbliert ist auf das französische ‚meuble‘ (Möbel) zurückzuführen. Neben ‚möbiliert‘ entdeckte ich hier und da auch die Transformation in ‚möbelliert‚, was unfreiwillig die nette Konnotation von verschönern, französisch ‚embellir‘, in sich trägt. Auch wenn ein möbliertes Angebot leider nur selten zugleich eine Verschönerung der Räumlichkeiten ist — und es ja oftmals auch nur dem Zweck dient, die Mietpreisbremse zu umgehen.
Der schöne Schein der Gallizismen
Die französische Kultur hat in vielen Teilen der Welt einen starken Einfluss auf Kunst, Mode, Architektur und Lifestyle. Französisch galt lange Zeit als Sprache des Adels und der Diplomatie. Viele Begriffe wurden aus dieser Zeit in Deutschland übernommen, oft stehen sie für Eleganz, Prestige und Exklusivität — perfekt für die Welt der Immobilienvermarktung. In der Realität erweisen sich die so angepriesenen Domizile jedoch häufig vor allem als eins: gewöhnlich. Oder, wie der Franzose sagt: ‚ordinaire‘.
Ich hoffe, Sie fanden diesen Beitrag ebenso kurzweilig, wie diese(r) Anbieter(in) sein (ihr) Wohnungsangebot auf dem Portal Kleinanzeigen:

Pour mes lecteurs francophones :
Le prestige des gallicismes est un atout puissant pour séduire le public allemand, mais attention aux faux pas ! Pour que votre communication outre-Rhin conserve toute son élégance et sa précision, je vous accompagne dans l’adaptation culturelle de vos contenus. Ne laissez pas votre image de marque devenir „ordinaire“.
🇫🇷 Expertise Marché Allemand : valorisez votre communication
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