Konzert Live CBE Köln 16. November 2025 Obongjayar

Obongjayar

Obongjayar ist ein Naturereignis. Schon vor zwei Jahren pilgerte ich seinetwegen nach Berlin zu einem Boiler-Room-Event. Am 16. November 2025 war er endlich auch um die Ecke, in Köln – und ich Teil der dichten, aufgeladenen Menge im ausverkauften CBE. Und als er und seine Band dann durch unsere Mitte zur Bühne gingen, platzten unsere Herzen spürbar vor Vorfreude.

Elixier

Ich schreibe zum Abschluss dieses Jahres darüber, weil dieses Ereignis nicht untergehen soll – auch deshalb, weil es im Netz keinen Nachhall gefunden hat. Und weil ich Lust machen möchte auf Live-Konzerte. Nichts hilft besser gegen ein schweres Herz. Nichts ist mehr Elixier als das.

Obongjayar betritt die Bühne und beherrscht den Raum sofort. Seine Erscheinung ist pure Energie, präsent, charismatisch. Und so sind auch seine Stücke. Komponiert nicht als kommerzielles Unterfangen, sondern als eine Einladung, sich auf seine Kunst einzulassen. Seine Stimme setzt er als eigenes Instrument ein, mühelos von rau und tief zum Falsett wechselnd. Mal seidiges Crooning, mal brodelnde Knurrgeräusche, alles verwoben mit dieser besonderen, honigsüßen und hingebungsvollen Stimme, fragil, nackt und ehrlich. Und selten wirkte der mitten im Set entblößte Oberkörper so selbstverständlich und so wenig als Pose.

It’s just me breathing

“Performing is not some gigantic thing – it’s just me breathing” sagte Obongjayar im Guardian. Und genau so fühlt es sich an: als würde man jemandem beim Atmen zusehen – nur dass dieses Atmen den Raum erfüllt und bewegt.

Das hat etwas ungemein Intimes. Und Obongjayar kann das nicht nur im Wohnzimmerkonzert erfahrbar machen, sondern auch im riesigen Open-Air-Stadion – schaut doch mal hier: I wish it was me, und hier, im Zusammenspiel mit dem zauberhaften “Fred again” in L.A.: Adore you. Sowie, ganz “raw”, aus Ehrenfeld letzten November: CBE-Konzert. Nur drei Beispiele für seine aufregende Genre-Fusion aus Afrobeat, Pop, Rock, R&B und Spoken Word, für die er gefeiert wird.

Ehrenfelder Resonanzraum

80 Minuten Gesamtkunstwerk mit vollem körperlichen Einsatz.

Und dann kommen ja noch die besonderen Kölner Vibes ins Spiel. Die Hingabe des Künstlers auf der Bühne im Zusammenspiel mit der davor: ein heterogenes, offenes Publikum, vollkommen bereit, sich einzulassen. Obongjayar hat sich hingegeben – und wir haben ihn getragen.

Der warme Flow einer Gemeinschaft, die dasselbe spürt, hat das Erlebnis für mich richtig rund und mein schweres Herz ganz leicht gemacht.


PS: Ein ganz kleines bisschen spielt bei Obongjayar auch meine Liebe zu bauchigen Buchstaben eine Rolle. Mehr dazu in diesem “Naming”-Beitrag: Ouagadougou.

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