Komplexe Logos gut gestalten

Rein­fall

Die Aussicht auf ein Märchen hin oder her — diesen Sommer hatte ich bisher keinen Bock auf Fußball gucken. Hab hier und da mal rein­ge­linst, aber der Funke der Begeis­te­rung sprang nicht über. Wohl aber war ich im Zuge dessen erst­mals über das EM Logo 2024 gestol­pert. Und mein spon­taner Gedanke, der mich leider nicht mehr los ließ, war: Das sieht aus wie eine Klobrille. Ich weiß inzwi­schen, dass das Oval das Dach des Berliner Olym­pia­sta­dions darstellen soll. Aber es ist nun mal vor allem eine sehr alltäg­liche Form, die sich perfekt in die Öffnung benannter Brille fügt, wie auf dem Bild oben gut zu sehen ist.

Null-Null

Nun hat die deut­sche Mann­schaft die Euro­pa­meis­ter­schaft nicht gewonnen, mit 0:0 ist sie zwar, zwangs­weise, im Vier­tel­fi­nale nicht ausge­schieden, aber mit 1:2. War das Logo-Design für das Gast­ge­ber­land womög­lich ein schlechtes Omen? (Übri­gens erstellt von einem Design­büro in Portugal — die haben sich ja auch im Vier­tel­fi­nale verab­schiedet.) Aber­glaube und Verschwö­rung kommen ja schon mal schnell in’s Spiel, nicht nur mit Orakel­tieren: Verschwö­rungs­theo­re­tiker haben tatsäch­lich den Farb­kreis des EM-Logos mit dem Emblem des „Great Resets“ in Verbin­dung gebracht, dem angeb­li­chen Plan globaler Eliten, die Welt zu kontrollieren.

All in?

Ganz ehrlich — ich würde kapi­tu­lieren bei all den Anfor­de­rungen an solch ein Sport-Logo, wenn es denn so viele mäch­tige Botschaften vereinen muss. In diesem Fall, die Einheit und Zusam­men­ge­hö­rig­keit Europas reflek­tieren, das Gast­ge­ber­land Deutsch­land gut reprä­sen­tieren, Freude und Begeis­te­rung für den Fußball vermit­teln, Viel­falt und Inklu­sion darstellen und zu guter Letzt modern und inno­vativ sein und sich vom Logo des Vorgän­ge­re­vents unter­scheiden. (Die Version 2021 ist ja eigent­lich sehr ähnlich, hm… .) Just for fun und auf die Schnelle habe ich mal eine KI mit einem Entwurf beauf­tragt: Auch, wenn dabei einiges nicht so ganz rund ist — es verspricht zumin­dest schon mal mehr Spaß! 

Flaggen + Fantasie

Was bietet nun das aktu­elle EM 2024-Logo? Stadi­on­dach, okay, drin, Henri-Delaunay-Pokal, drin, Mittel­linie und Anstoß­kreis drin. Es gibt insge­samt 24 farbige Abschnitte, die für die 24 Endrun­den­teil­nehmer stehen. Um alle 55 UEFA-Verbände in den Farb-Anord­nungen zu erkennen, sind Kennt­nisse in der Flag­gen­kunde sowie etwas Fantasie hilf­reich. Dabei muss man vor allem mit den Längs- und Quer­streifen herum­bas­teln. Die unga­ri­sche Flagge (Rot, Weiß, Grün und quer) lässt sich zum Beispiel schnell zur italie­ni­schen Fahne (Grün, Weiß, Rot und längs) umwan­deln. Ähnlich geht es bei den Fahnen der Nieder­lande, Kroa­tiens und Frank­reichs. Lässt man hier das Blau weg, gelangt man, auf den Kopf gestellt, zur polni­schen Flagge mit ihren weißen und roten Quer­streifen. Usw. usf…

Die Botschaften Begeis­te­rung, Inno­va­tion und tolles Gast­ge­ber­land Deutsch­land haben sich mir in diesem Logo bisher leider noch nicht erschlossen.

Herz­liche Grüße aus ‘Lego­land’ am Rhein!

Düsseldorf EM Logo 2024